Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 02 - 01.02.2013

2.000 Jugendliche im Landkreis Hameln-Pyrmont sind auf Hartz IV angewiesen

Im September 2012 waren im Landkreis Hameln-Pyrmont 1.956 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren auf Hartz IV angewiesen.  Jugendarmut in Hameln-Pyrmont ist demnach keine gesellschaftliche Randerscheinung. 11,7 Prozent aller im Landkreis lebenden Jugendlichen sind direkt von Armut betroffen. „Diese jungen Menschen erfahren die gesellschaftliche Spaltung bereits in jungen Jahren, indem sie in Verzicht aufwachsen und ein höheres Risiko für eine mehrfache Benachteiligung haben“, so der Hamelner DGB-Regionssekretär Volker Eggers.

Hartz IV - Bezieher haben schlechtere Chancen

Die Hartz IV-Regelsätze sind in den letzten Jahren deutlich hinter der Preissteigerungsrate zurück geblieben und können auch für Jugendliche das gesellschaftliche Existenzminimum nicht sicher stellen. „Neben materieller Entbehrung erleben diese Jugendliche Arbeitslosigkeit und niedriges Erwerbseinkommen im Familienkontext sowie oftmals schlech-tere Wohnverhältnisse und schlechtere Chancen im Ausbildungssystem und in der Arbeitswelt. Hinzu kommt, dass sich Einkommensarmut auch verstärkt negativ auf die Gesundheit auswirken kann“ so Volker Eggers weiter.

Jeder fünfte (20,1% = 386 Jugendliche) der auf Hartz IV angewiesenen Jugendlichen ist arbeitslos gemeldet. Weitere 184 nahmen an arbeits-marktpolitischen Maßnahmen teil. Die überwiegende Mehrzahl der hilfebedürftigen Jugendlichen besucht noch die Schule, war in Ausbildung, erwerbstätig oder betreute ihre Kinder unter 3 Jahren.

Hilfebedürftigkeit bei jungen Menschen hat viele Ursachen. Besonders auffallend ist, dass dabei meist nicht die eigene Arbeitslosigkeit zur Bedürftigkeit führt, sondern die Gründe vielmehr in den begleitenden familiären Lebensumständen liegen. Die Mehrzahl der als nicht arbeitslos registrierten jungen Menschen dürfte noch zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen.

Da die Jugendlichen oft noch bei ihren Eltern oder einem Elternteil leben, ist entweder mindestens ein Elternteil arbeitslos oder trotz Erwerbstätigkeit kann das gesellschaftliche Existenzminimum der Haushaltsgemeinschaft nicht gesichert werden. Die Armut von Jugendlichen ist weitgehend auf das Fehlen von existenzsichernden Arbeitsplätzen der Eltern zurückzuführen.

DGB erwartet nachhaltige Maßnahmen

Volker Eggers vom DGB in Hameln fordert: „Um diesen Jugendlichen einen dauerhaften Ausstieg aus den prekären Lebensverhältnissen zu ermöglichen, hilft weder ein schlichtes Parken in beruflichen Warte-schleifen noch die Zuweisung in Ein-Euro-Jobs. Um die Spirale von Armut und Perspektivlosigkeit für viele Jugendliche zu durchbrechen, macht der DGB folgende Vorschläge:

  • Die Investitionen in die soziale und bildungspolitische Infrastruktur müssen ausgebaut werden, insbesondere leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler benötigen eine frühere und intensivere Unterstützung und zusätzliche Förderangebote.
  • Um Armut und Ausbildungslosigkeit möglichst überwinden zu können, sollten die Beratungs- und Betreuungsangebote unter einem Dach gebündelt werden. Dringend verbessert werden sollte ebenso die Verständigung zwischen Unternehmen und zuständigen Behörden, wenn eine Ausbildung abgebrochen wird, damit Jugendlichen geeignete Alternativen und schnell Anschlüsse eröffnet werden.
  • Jugendliche, die die Voraussetzungen für eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung mitbringen, dürfen nicht länger mit berufsvorbereitenden Maßnahmen abgespeist werden. Das Jobcenter sollte die Initiative ergreifen, um Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine „zweite Chance“ auf Berufsausbildung zu eröffnen.
  • Darüber hinaus braucht es existenzsichernde Löhne, um Jugendliche selbst bzw. deren Eltern (-teile) längerfristig eine Überwindung der Hartz IV-Bedürftigkeit zu ermöglichen.

Möglichst vorbeugende arbeitsmarkt-, bildungs- und sozialpolitische Maßnahmen sind gefragt, die die unterschiedlichen Lebensumstände junger Menschen einschließen. Im Herbst 2012 waren nach DGB-Berechnungen in Niedersachsen bereits 58,6 % der hilfebedürftigen Jugendlichen im Alter zwischen 17 und 24 in den letzten beiden Jahren bereits mindestens 21 Monate auf Hartz IV angewiesen. Besonders gravierend ist aus gewerkschaftlicher Sicht die Armutserfahrung, bei der sich der Hilfebezug bereits in jungen Jahren verfestigt.


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